Dienstag, 17. November 2015

ORGANISTEN GEGEN LOBPREISLEITER

Ja, richtig gehört, ich bin beides.
Meine DNA lässt sich zwei Spezies zuordnen, die sich mitunter blutig bekriegen. Aber ich hatte nie den Eindruck, dass hier etwas zusammenwächst, was nicht zusammen gehört.

An mir ist einiges etwas speziell. In meiner Freizeit mache ich Progressive Rock, spiele Gitarre und Klavier und komponiere. Beruflich drücke ich mich auf ungeheizten Orgelbänken herum und fahre der Gemeinde mit liturgisch-bachschen Wirbelstürmen in die Glieder, zuweilen kombiniert mit hellem Sopran in lateinischer Sprache. Und ganz viel Bach. Ich liebe Bach. Hatte ich erwähnt, dass ich Bach liebe?? Dann gibt es da noch Lobpreis/Anbetung, nicht meine einzige, aber doch persönlichste Leidenschaft. Eine ganz eigene Kombination der erstgenannten beiden Musikrichtungen und die mit Abstand bewegendste.

Wenn sie gut gemacht ist.

Denn hier liegt interessanterweise der beliebteste Vorwurf. Von beiden Seiten. Jugendliche, die sich über langweilige Orgelmusik beschweren haben bestimmt noch nie einem guten Organisten zur besten Tageszeit gelauscht. Und passionierte Kirchenmusiker, die kulturignorantes Hände-In-Die-Luft-Werfen zu stampfenden Schlagertönen anprangern sind noch nie Zeuge einer guten Anbetungs-/Lobpreisband gewesen, welche oftmals elektronische Instrumente mit klassischen verbindet.

Keiner hat das Recht, dem anderen die Sprache seines Gebetes abzusprechen. Vielleicht ist es der Lobpreis, mit dem Menschen so oft neu berührt werden. Aber die Verehrer guter Kirchenmusik, für die das Lob Gottes auf der Orgel, die Kunst der Kirchenmusik als angemessen für heilige Hallen ist, liegen nicht etwa falsch.

Andererseits ist es in meinen Augen komplett falsch, die Orgel als einziges Kircheninstrument anzusehen. Kirchenmusik ist eine spezielle Kunstform, und für manche die Kirche Austragungsort eben dieser. Es aber dabei zu belassen halte ich für komplett falsch. In erster Linie ist die Kirche ein Haus des Gebetes, das Haus Gottes, in dem Menschen Gott nahe sein können. Und alles, aber wirklich alles, was dem dient und was Menschen für reinen, ehrlichen Lobpreis nutzen, sollte willkommen sein. Wenn die Kirche zu einem Haus der Ruhe und der klassischen Orgelkonzerte wird, läuft etwas schief. Das war bestimmt nie der Fall. Mehrstimmiger Gesang, später die Orgel, irgendwann auch Orchester waren revolutionär…und entsprachen dem Wunsch, Gott mit allem schönen zu ehren, was zur Verfügung stand.

Qualität ist wichtig. Ja, zurecht bereiten sich gute Organisten monatelang auf die Weihnachtsfeiertage vor. Und nein, nur weil du Hillsong über alles liebst und grade deine erste Gitarre bekommen hast heißt das nicht, dass du "Oceans" gleich bei Nightfever am Mikro uraufführen musst. 

Und Seele ist wichtig. Beide Arten der Musik sind in der Kirche völlig für die Tonne, wenn sich der Tastenschwinger/Treter/Drummer/Gitarrist/Tenor nicht für den Heiligen Geist öffnet und selbst ganz dabei ist. JA, auch das hört man.

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